Mittwoch, 21. November 2018

Frischzellenkur für Körper und Geist

Ausgabe 2018.03
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Wenn Alltagsstress, ein­seitige Ernährung, mangelnde Bewegung und Umweltgifte unseren Organismus belasten, ist es Zeit für eine Detox-Kur. Wie und wo das Abwerfen körperlichen und seelischen Ballasts am besten klappt? GESÜNDER LEBEN hat die Antworten!


Foto: iStock-_PeopleImages

Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“ Was der griechische Arzt Hippokrates von Kos bereits rund 400 vor Christus propagierte, gilt heute mehr denn je. Sich gesund und fit zu halten, liegt im Trend – und das auch im Urlaub, wie Dr. Franz Linser, Geschäftsführer des Tourismus-Beratungsunternehmens Linser Hospitality bestätigt.  „Stand noch vor wenigen Jahren Wellness und damit das Verwöhnen und die Auszeit vom Alltag im Fokus, sind viele Gäste heute im Urlaub auf der Suche nach einer langfristigen Veränderung – ob beim Abnehmen, bei Maßnahmen zur Stressbewältigung oder beim Entgiften.“ Letzteres beherrscht unter dem Begriff „Detox“ die Schlagzeilen. Die Kurzfassung des englischen Begriffs „detoxify“ beschreibt Maßnahmen wie verschiedene Fastenkuren, Massagen, Wickel, Bäder oder Schwitzkuren, die Giftstoffe und schädliche Stoffwechselprodukte aus dem Körper ausscheiden sollen. Ein Angebot, das nicht nur Fans auf den Plan ruft, denn skeptische Stimmen verweisen auf die Autoregulation des Körpers: Leber, Niere und Lunge würden den Job der Entgiftung schon alleine bewältigen. „Stimmt“, bestätigt Prim. Dr. Karin Stengg. „Natürlich sollte unser Organismus mühelos die Beseitigung körpereigener Schadstoffe beherrschen. Er ist aber evolutionstechnisch nicht ausgerichtet auf die vielen Gifte, die uns heute umgeben – seien es Umweltgifte, Schwermetalle, chemische Schadstoffe, Plastikpartikel in Lebensmitteln oder Antibiotika im Fleisch“, so die Ärztin, die die Leitung der Medizin und Therapie im la pura women’s health resort kamptal innehat. Laut Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO wird unser Körper heute rund 140.000 Chemikalien ausgesetzt. Das sind etwa doppelt so viele wie vor einem Jahrzehnt. „Zusätzlich führen unser bewegungsarmer, gestresster Lebensstil, ein Übermaß an Kohlehydraten und Zucker in der Ernährung und weitere Laster wie Alkohol und Nikotin dazu, dass die Giftmenge überhandnimmt.“ Ein Ungleichgewicht, das durch regelmäßiges Entgiften wieder in Balance gebracht werden könne, so Stengg.

So klappt Detox

Für wen geeignet? „Detox ist bis auf wenige Ausnahmen für jeden geeignet“, so die F.-X.-Mayr-Ärztin Dr. Christa Lind. „Ein bis zweimal jährlich wäre eine Regeneration optimal für Körper, Geist und Seele – das Frühjahr und der Herbst eignen sich hierfür“, empfiehlt Lind.

Wann notwendig? Verdauungsprobleme, Antriebslosigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsschwächen und Schlafstörungen können ein Zeichen für eine Übersäuerung des Körpers sein.

Wie hilft Detox: „Verdauungsprobleme können dadurch gelöst, Schlafstörungen gelindert und Stress abgebaut werden. Entgiften führt oft zu einer Reduktion von Migräneattacken und zur Verbesserung von Gelenksschmerzen. Der gesamte Stoffwechsel wird angeregt, man fühlt sich generell frischer und energiegeladener“, erläutert Mag. Tanja Vogelsberger.

Wie lange soll ich entgiften? „Optimal ist ein Aufenthalt von mindestens einer Woche, da der Körper auch einige Tage benötigt, um sich umzustellen“, erläutert Dr. Karin Stengg.

Vorbereitung: „Man kann vor der Kur mit der Fastenbetreuung des Hotels in Kontakt treten und sich Tipps für Einstimmungstage geben lassen“, rät Christa Lind. „So kann man den Körper auf die Umstellung vorbereiten.“

Klassiker F. X. Mayr. Im la pura fungiert die Therapie nach F. X. Mayr als Grundlage der Entgiftungskur. Der steirische Kurarzt erkannte schon als Student zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass die meisten gesundheitlichen Störungen mit dem Darm zusammenhingen. Seine Therapie beruht auf vier Säulen: auf der Schonung, Säuberung und Schulung des Verdauungsapparates und des gesamten Organismus. Durch die geringe, schonende Kost und eine hohe Flüssigkeitszufuhr soll sich der Darm regenerieren und Fehlleistungen des Verdauungssystems korrigiert werden. Die vielen als „Milch-Semmel-Kur“ bekannte Fastenform weist heute ein wesentlich breiteres Nahrungsangebot auf. „Grundsätzlich geht es bei unserem frauenspezifischen F.-X.-Mayr-Angebot darum, den Körper zu entsäuern“, erklärt die ärztliche Leiterin. Dabei wird bei allen ernährungsspezifischen Programmen auf das Verhältnis von Säuren und Basen geachtet. Leber, Lunge und Niere sorgen für ein konstantes inneres Verhältnis unseres Körpermilieus. Stress, mangelnde Bewegung und eine Ernährung, die durch viel Fleisch, Milchprodukte und Kohlenhydrate sowie zu wenig Gemüse und Obst geprägt ist, können unseren pH-Wert jedoch aus dem Gleichgewicht bringen. Der Organismus übersäuert. Mineralien wie Kalzium, Kalium und Magnesium sorgen dafür, den Säureüberschuss wieder auszugleichen. Führen wir diese wichtigen Vitalstoffe dem Körper jedoch nicht über Rohkost zu, greift er auf die körpereigenen Mineraldepots der Knochen zurück. Die Folgen können von Verdauungsproblemen über allgemeine Erschöpfung und Unkonzentriertheit bis zu Muskel- und Gelenksschmerzen reichen.

Heilfasten nach Buchinger. „Fasten wirkt auf jede Zelle positiv“, erklärt Mag. Tanja Vogelsberger, Ernährungswissenschafterin und Therapieleiterin im EurothermenResort Bad Hall. Neben dem Basenfasten kann man im Hotel Miraverde auch Heilfasten nach Buchinger in Anspruch nehmen. Ihr Erfinder, der deutsche Arzt Otto Buchinger, unterzog sich 1919 selbst einer dreiwöchigen Fastenkur, um seine Rheumabeschwerden zu lindern. „Bei dieser Form des Entgiftens wird während der Fastentage ganz auf Nahrung verzichtet, um die Ausscheidung über Darm, Nieren und Haut zu fördern.“ Nach zwei Entlastungstagen, an denen die Energiezufuhr bereits vorbereitend reduziert wird, besteht die Ernährung an den Fastentagen ausschließlich aus kohlenhydratmodifizierten Obst- und Gemüsesäften. Nach fünf Tagen erfolgt das „Fastenbrechen“ mit einem Apfel, danach sorgen leichte cremige Suppen, Gemüse, Reis, Hafer- oder Quinoa-Breie an den Aufbautagen dafür, dass der Stoffwechsel langsam wieder in Gang kommt. Neben den verschiedenen Fastenkuren und Basendiäten wird die Reinigung des Darms durch die Verabreichung von Bittersalzen oder speziellen Teesorten unterstützt. Zusätzliche Maßnahmen zielen auf die anderen Entgiftungsorgane unseres Körpers ab. So regen Leberwickel die Arbeit der Leber und Lymphdrainagen jene der Lymphe an, während zahlreiche Therapien wie Basen- oder Jodbäder, Fußbäder oder Schwitzkuren auf die Entgiftung über die Haut abzielen. „Eine Entgiftungskur basiert aber immer auch auf Verzicht: Man lässt den Alltag los, reduziert seine Ernährung, schaltet zurück. Mit der Kur geht daher auch oft eine seelische Reinigung einher“, erläutert Vogelsberger und spricht damit jenen Bereich an, der für viele Gäste immer wichtiger wird: seelische Entlastung.

Übersicht zu diesem Artikel:
Seite 1 Frischzellenkur für Körper und Geist
Seite 2 Frei im Kopf

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